Ein Hase übers Kohlfeld hoppelt
ihn dünkt er sei im Paradies
ein Jäger sieht das Kohlfeld doppelt
als Ort des Fleisches und Gemüs'

das Kohlfeld seine Schritte lenkt
als Schicksal und Beginn
der Has' nicht an den Bauern denkt
weil er nicht sucht Gewinn

denn hier ist Platz und Nahrung
für ihn und seine Frau
und diese Grunderfahrung
kennt Jäger und Bauer genau

der Hase und der Bauer
erleben das Wechsel - Quartett
des Jahres - Zyklus Dauer
der Jäger find' das nett

den Kohl sät aus der Bauer
und erntet mit Gewinn,
die Jagd er dann verpachtet
der Hase mittendrin

der Jäger holt den Büttel
der Bauer schaute zu
und laut und mit gerüttel
war's aus mit Hasen' Ruh

der Has' darauf die Eule fragte:
du, von Justitia,
was wär' wenn ich nun Gott beklagte
ist's Recht was hier geschah

die Eule sich bedachte
und kniff ein Auge dicht
ich prüfe diese Frage
solange rühr' dich nicht

der Jäger ballert sich den Braten
und gart sich einen Kohl
der Has' war tot geraten
der Bauer fühlt sich wohl

die Eul' erkennt die Lage
und sagt: wie ich es seh'
stellt sich hier ganz die Frage
nach Gott und Theodizee

denn Recht im Hasensinne
als Grundrecht ist passe'
weil nur, wer richtig siegte
ist Teil der Odyssee

denn Werden und Vergehen sind
dem Jahreszyklus gleich
Geburt und Tod die Stecke mißt
des Lebenslaufes Reich

willst satt du sein im Geiste
mein lieber Jägersmann
genügt noch nicht das Feiste
auf's Wissen kommt es an

was willst du dann noch essen
nach deinem letzten Streich
der Has` ist schnell vergessen
Minerva ward ganz bleich

dir bleibt jetzt nur das Einerlei
Kohl vor und Kohl zurück
am Ende zählst du 1-2-3
und jammerst um dein Glück

fast wär' es dir gelungen
zu täuschen durch Bericht
es wurde hart gerungen
um Wahrheit und Geschicht

die Fakten jetzt sind ehern
so fest wie ein Beweis
der Mensch muß sich jetzt nähern
dem was die Lehre weist

Erkenntnis war noch nie die Stärke
des Starken Handlungsziel
Katharsis selbsterlebt am Werke
hift manchmal nicht und manchmal viel

ein Has' ist ohne Freiheit
wenn Eul' ist ohne Recht
wenn Jäger nur mit Flinte
wenn Bauer nur mit Knecht

verschieden sind die Ansprüch' immer
im Wettstreit und im Spiel
vernichten darf man nimmer
das wär' des Rechts zuviel



von Hans-Günter Huppertz 2002

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